Meditation

Der alltägliche Wahnsinn

Wir alle reden permanent mit uns selbst. Pausenlos. Nicht öffentlich, nicht sichtbar, sondern im Kopf. Würde man eine Maschine erfinden, die alle Gedanken in den Köpfen der Menschen hörbar machen könnte – Gott bewahre! Ein irres Dauergespräch ohne Punkt und Komma. Wir alle tun es. Täglich. Stündlich. Ja, sogar jede Sekunde. Während des Lesens dieser wenigen Zeilen sind vermutlich bereits eine Reihe von anderen Gedanken, Assoziationen, Zustimmungen oder Einsprüchen aufgetaucht. Diese Tatsache ist natürlich nicht neu und man kann sich fragen, was daran überhaupt schlimm ist? 

Ein Leben unter Gedanken

Denn Gedanken sind natürlich wichtig! Gedanken schaffen überhaupt erst Ideen, Erfindungen, Bücher, Menschenrechte… Eine Welt ohne Gedanken, ohne denkende Menschen, wäre eine Schreckensvision.

Aber: Es kommt auf die Gedanken an!

Wenn wir uns hinsetzen und einfach die Augen schließen und versuchen, uns auf nichts anderes als auf unseren Atem zu konzentrieren, stellen wir vermutlich mit Erschrecken fest: Hilfe! Nicht mal eine Minute können wir uns so konzentrieren, dass kein anderer Gedanke sich anschleicht und wir abschweifen.

Zwischen schön und lästig

Und es sind leider auch nicht die weltbewegenden, großen Gedanken, die zu uns kommen, sondern die völlig alltäglichen, die sich aufdrängen. Die noch zu erledigenden Aufgaben, die Pläne für den Tag, die Gedanken an die letzte Situation bei der Arbeit oder die Erinnerung an ein geführtes Gespräch. Manchmal sind es unangenehme, ärgerliche Gedanken, manchmal neutrale, manchmal freudige. Vielleicht geht es sogar noch weiter in die Zukunft. Tagträume, Ideen für die nächste Reise oder das, was man immer schon mal machen wollte. Oder es geht noch weiter in die Vergangenheit. Eine besonders schöne Situation, an die wir uns erinnern, vielleicht schon Jahre her, die plötzlich wieder da ist. Und diese Vorstellungen sind natürlich schön und angenehm. 

In der Gegenwart?

Und dennoch haben all diese Gedanken etwas gemeinsam: Sie katapultieren uns aus dem Moment. 

Wir sind woanders. Wir sind nicht in der Gegenwart, bei dem, was wirklich gerade ist. Bei dem aktuellen Moment, jetzt, hier. Es gelingt uns dann nicht, mit dem Bewusstsein und mit allen Sinnen ganz in einem Augenblick zu sein. Denn mit dem nächsten Wimpernschlag, mit dem nächsten Atemzug sind wir bereits gedanklich woanders. Und so geht es vielleicht das ganze Leben. Nie sind wir ganz da, wo wir sind.

Meditation bedeutet sich nicht bestimmen zu lassen

Meditation bedeutet, sich dieses Zustandes bewusst zu werden: Dass wir so oft von den eigenen Gedanken bestimmt werden, als dass wir sie bestimmen.  Erst wenn wir meditieren, bemerken wir diese ständig im Hintergrund ablaufenden Gespräche unseres eigenen Geistes. So als würde die ganze Zeit ein Fernseher laufen. Und erst wenn wir dies bemerken, haben wir überhaupt die Chance damit umzugehen. Denn dann können wir versuchen diesen Fernseher etwas leiser zu drehen, oder selbst das Programm zu bestimmen, indem wir umschalten oder mit etwas Glück und Geduld schaltet er sich für ein paar Sekunden sogar aus. 

Dann entsteht wirkliche Ruhe und Klarheit. 

Der Geist als See

Wie ein See, der allmählich auf der Wasseroberfläche immer ruhiger und glatter wird. So dass der Blick durch die Oberfläche, durch das Wasser hindurch, immer deutlicher, immer klarer wird. Und dann sieht man bis auf den Grund. Das ist Meditation. 

Zumindest bis wieder ein Windhauch kommt, der die Wellen wieder in Gang setzt. Auch das gehört zur Meditation. Es ist nicht statisch. Es ist der Versuch sich selbst zu begegnen. Immer wieder und immer wieder anders. Meditation lässt diese Begegnung zu und zwar in keinem anderen Moment als diesem. 

Auch jetzt ist es möglich, für einen Moment den Impuls zu unterdrücken gleich weiter zu klicken und etwas anderes zu tun. Sondern der Einladung zu folgen: für einen Moment die Augen zu schließen, zu atmen und sich selbst zu beobachten.

Jetzt.